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Geschichte von Huttingen

"In einem Acker unter der Kapelle gegen Huttingen zu Gräber. Aus einem ein (scrama)sax ..." Die gefundene Waffe - ein Kampfmesser - würde die Gräber in das 7. Jh. n. Chr. datieren. Würde. Wenn nicht heute unter der betreffenden Inventar-Nummer ein Bajonett des 19. Jahrhunderts liegen würde. Falsch bestimmt? Zwei oberflächlich ähnliche Waffen versehentlich in die falsche Schachtel gesteckt? Das wird sich leider nicht mehr klären lassen.
Auch direkt an der Huttinger Kapelle fanden sich im September 1900 Gräber, darunter Plattengräber. Plattengräber werden ab 700 üblich, vielleicht stand schon im 9. oder gar 8. Jahrhundert hier ein kleines Kirchlein. 1829 dient die Huttinger Kapelle als Vermessungspunkt,  sie wird gezeichnet und beschrieben. Ein kleiner Kirchenbau, mit wenigen hochliegenden kleinen Fenstern, der bis 1900 noch mehrfach verändert wird. Dann tabula rasa - die mittelalterliche Kirche wird abgerissen und durch einen modernen Bau ersetzt. Diese neugotische Kapelle wiederum wurde 1914 gesprengt, nur das Sakristei-Häuschen blieb stehen.
Von der Nikolaus-Kapelle Huttingen aus war die (heute verschwundene) Jakobs-Kapelle von Wintersweiler zu sehen. Dies und einige römische Scherben in der Umgebung haben im 19. Jh. zu der Idee geführt, die Huttinger Kapelle sei aus römischen Steinen an der Stelle eines römischen Wachturms errichtet worden. Das 19. Jh. war insgesamt reich gesegnet mit Römerphantasien aller Art, auch die Bezeichnung "Römerstraße" für die Straße nach Blansingen ist ein Produkt dieser Zeit.
Eigentümlicherweise schweigen sich die mittelalterlichen Schriftquellen zur Kapelle aus: kein Streit um Reparaturen, um zur Kapelle gehörende Rechte. Ob die Kapelle zu dem Huttinger Hof gehörte, den ein Ritter von Rötteln vor 1249 dem Kloster Istein geschenkt hat?
 
Ab 1365 ist der Bischof in Basel der Oberherr in Huttingen. Das bleibt auch so nach 1556 - jetzt ist Huttingen (zusammen mit Istein, Schliengen und einigen weiteren Ortschaften) eine katholische Insel, während drumherum die neue reformierte Religion herrscht. Die Stadt Basel übernimmt die Verwaltung der Basler Klöster samt deren Ländereien, Leuten, Rechten und Besitz. Reformation, Bauernkrieg, Klimakatastrophen - das 16. Jahrhundert muß eine schwierige Zeit gewesen sein. Es ist kein Zufall, daß ab 1560 die Hochphase der Hexenverbrennungen beginnt. Nicht in Huttingen, nicht in Istein, aber in Schliengen und in den linksrheinischen Gebieten des Fürstbistums lodern bis ca. 1630 die Scheiterhaufen. In Huttingen, Istein, Schliengen, Steinenstatt, Altingen, Mauchen leben auch jüdische Familien: 17 jüdische Haushalte im Jahr 1576. Doch die Dörfer machen Druck: der Bischof soll die Juden ausschaffen. Und setzen sich durch, nach 1581 wohnen hier keine Juden mehr.
 
Das 17. und 18. Jahrhundert war nicht wirklich besser, und die (eigentlich) neutralen bischöflich-baslerischen Ortschaften werden zum Tummelplatz der verschiedenen Truppen der vielen Kriege dieser Zeit. Mangels militärischer Macht konnte der Bischof die Dörfer nicht schützen, und die Dörfler waren wehrlos ausgeliefert - allen beteiligten Kriegsparteien. Die Zeit der Kriegswirren geht weiter, erst nach 1817/18 scheint sich die Situation für die Leute auf den Dörfern zu verbessern. Da gab es das Fürstbistum Basel nicht mehr - Huttingen und Istein wurden 1803 badisch.

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